Die „Notfalldose” in Büren eingeführt

Die „Notfalldose” in Büren eingeführt

Kleine Dose – große Wirkung. Im Notfall finden Retter wichtige medizinische Informationen über ihren Patienten im Kühlschrank. Auf Anregung des Notarztträgervereins Büren e.V. hatte sich der Seniorenbeirat der Stadt die Notfalldose vorstellen lassen, und war von der Idee begeistert. Am Ende stand ein gemeinsames Konzept zur Einführung der Notfalldose in Büren.

Am 25.07.2017 wurde das Projekt „Notfalldose für Büren” anlässlich der Pressekonferenz unseres Vereins der Öffentlichkeit vorgestellt. Büren ist die erste Stadt im Kreis Paderborn, die die Notfalldose einführt und wird damit wohl auch OWL-weit zum Vorreiter.

Worum es geht

Im Notfall können Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Wenn Gesundheit und Leben plötzlich auf dem Spiel stehen, soll es schnell gehen. Muss es schnell gehen.

Im Alltag wird der Rettungsdienst zunehmend häufiger zu Patienten in Notfallsituationen in ihrer häuslichen Umgebung gerufen, bei denen eine hochkomplexe Krankheitsgeschichte mit einer Vielzahl von Diagnosen (Multimorbidität), Medikamenten und weiteren medizinischen Vorinformationen vorliegt. Medizinische Dokumente und Unterlagen, die Patienten üblicherweise in ihrer Wohnung aufzubewahren pflegen. Als Arztbrief, Einnahme- und Medikamentenplan dort irgendwo vorhanden; aber wo genau sind sie zu finden? Hier erweist sich die „Notfalldose“ als überaus hilfreich. Manchmal sogar als Lebensretter für ihren Besitzer.

Notfall-Infoblatt

Notfall-Infoblatt

Im lebensbedrohlichen Notfall bleibt den Rettern keine Zeit für eine zeitraubendes Zusammensuchen von Medikamentenschachteln in Badezimmer oder Nachttisch, Spritzenampullen im Kühlfach oder alten Arztbriefen im Schreibtisch oder anderswo. Wo ist noch mein Einnahmeplan? Wann soll ich welches Medikament in welcher Dosierung einnnehmen? Wo sind mein Impfausweis, die Patientenverfügung, der Organspendeausweis und mein Allergiepass. Schon ganz ohne den Stress einer Notfallsituation kann manch einer das aus dem Stand heraus kaum zusammenkriegen. Ganz zu schweigen, wenn man als Patient denn überhaupt noch in der Lage ist, sich sprachlich verständigen zu können.

Für Rettungsdienst und Notarzt hoch wichtige Informationen, die noch am Einsatzort darüber mitentscheiden, ob die richtige oder „falsche“ Spritze (weil Allergie besteht) aus dem Notfallkoffer geholt wird. Ob die richtige oder „falsche“ Klinik (weil sie eine bestimmte Behandlung nicht durchführen kann z.B. Herzkatheter) als Zielkrankenhaus angesteuert wird. Und manchmal schicksalsentscheidend für den Patienten.

Gegenstand und System zugleich

Gegenstand: Die Notfalldose ist eine 185 ml Fassungsvermögen großes schraubverschließbares Behältnis mit signalgrüner Beschriftung, die aus jeder Position heraus die Kennzeichnung „SOS“ erkennen lässt und zusätzlich mit dem Samariterkreuz und dem Info-Piktogramm versehen, signalisiert, dass sie medizinische Informationen enthält.

Retter entnimmt Notfalldose aus Kühlschranktür

Retter entnimmt Notfalldose aus Kühlschranktür

In der Dose befindet sich ein Notfall-Infoblatt, in dem der Besitzer der Notfalldose seine medizinischen Daten nach einem vorgegebenen Schema einträgt Die Dose schützt durch Licht- und Wasserdichtigkeit ihren wertvollen Inhalt vor Verfall und Unleserlichkeit. Die Dose wird im Kühlschrank deponiert. Und zwar – gut sichtbar – in der Kühlschranktür. Dort, und nur dort wird sie gesucht – und sicher gefunden. Nicht in der Chiller-Box, dem Gemüse- oder dem 3-Sterne-Gefrierfach.

Und das ist das System: Dass Notfallinformationen in der Kühlschranktür sind, sieht der Rettungsdienst an dem speziellen Aufkleber, der außen an der Kühlschranktür angebracht ist. Einen weiteren Aufkleber, der ebenfalls der Notfalldose beiliegt, wird an der Wohnungstür innenseitig angebracht. Er weist beim Verlassen der Wohnung die Retter noch einmal auf das Vorhandensein von Notfallinformationen in der Kühlschranktür hin.

Der Rettungsdienst kann nun die vom Patienten so hinterlegte, mit Unterschrift versehene Notfallinformation entnehmen und gezielt vor Ort handeln und die wertvollen Angaben an das weiterbehandelnde Krankenhaus weitergeben.

Für wen sinnvoll?

Menschen mit einer Vielzahl an Diagnosen und Medikamenten, die für sich Vorsorge treffen wollen. Besonders, wenn sie alleinlebend sind. Menschen, deren körperliche und geistige Fähigkeiten bereits durch Vorerkrankungen Schaden genommen haben. Menschen, die sich als sorgende Angehörige um solche Patienten kümmern und ihnen das selbstständige Anlegen der Notfalldose abnehmen.

In der Tat trifft dies meist auf Menschen im fortgeschrittenen Alter zu. Aber es gibt auch junge multimorbide Patienten. Und es gibt Menschen, bei denen die Schwere einer einzelnen Erkrankung hohe notfallmedizinische Relevanz hat. Zum Beispiel den jugendlichen Allergiker mit lebensbedrohlicher Symptomatik, der von einer Notfalldose profitieren könnte.

Wer sonst gesund ist und lediglich hin und wieder eine Pille gegen seine Wehwechen einnehmen muß, braucht keine Notfalldose – definitiv. Wer im Zweifel ist, ob er ein Kandidat für die Notfalldose ist, sollte den Spruch: – Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – einmal in die Tat umsetzen und sich dort beraten lassen.

Die Dose in Büren

Der Notarztträgerverein Büren e.V. hat sich mit der Idee „Notfalldose“ schon vor einiger Zeit vertraut gemacht und ein Konzept für deren Etablierung hier erarbeitet. Die Notfalldose wurde bereits in anderen Gemeinden von den unterschiedlichsten Institutionen mit sehr guter Resonanz bei Patienten, Rettern und Öffentlichkeit eingeführt. Notärzte und Rettungspersonal in unserem Versorgungsgebiet sind von uns mit dem Prinzip der „Notfalldose“ vertraut gemacht worden und wissen, wonach sie in der Patientenwohnung zu schauen haben.

Aufkleber Notfalldose

Aufkleber Notfalldose

In Büren ist die Einführung mit dem Seniorenbeirat Büren und der Stadt Büren abgestimmt. Der Seniorenbeirat, der die „Patenschaft” für das Projekt übernommen hat, ist mit seinen Vertretern in den einzelnen Ortsteilen und Institutionen Bürens Ansprechpartner vor Ort, die Patienten oder sorgende Angehörige in Sachen Notfalldose kompetent beraten können.

Der Notarztträgerverein hat dem Seniorenbeirat ein Kontingent von 400 Notfalldosen als „Starthilfe“ gespendet.

Im Bürgerbüro des Rathauses kann die Notfalldose ab sofort von den Bürenern für 2 Euro das Stück erworben werden. Der Erlös aus der Abgabe der Notfalldose kommt übrigens den vielfältigen anderweitigen sozialen Aufgaben des Seniorenbeirats der Stadt Büren zugute.

Wer sich den Fernsehbericht des WDR über die Notfalldose in Büren ansehen will, findet ihn hier..