Großschadenslage am Airport PAD

Großschadenslage am Airport PAD

Bürener Notärzte als Erste vor Ort

Kaum Schlaf in dieser Nacht. Zuletzt war Dr. Pikrun, diensthabender Notarzt in Büren um halb acht am Morgen des 21.10.2017 zu einem schweren Verkehrsunfall Ecke Füstenberger Str/Hegensdorfer Str. gerufen worden. Ein 49jähriger Mazda-Fahrer hatte beim Linksabbiegen aus der Hegendorfer Str. einen Traktor mit Anhänger übersehen, der auf der Fürstenberger Str. Richtung Hegensdorf fuhr. Dabei wurde der Mazdafahrer eingeklemmt und schwer verletzt. Dr. Pikrun behandelte den Polytraumatiserten, bis er mit der Rettungsschere der Feuerwehr aus seinem Auto befreit wurde und hatte ihn bis zur Einlieferung in ein Paderborner Krankenhaus stabilisieren können. Kaum zurück in Büren schrillte sein Funkmelder schon wieder und die Sirenen über der Stadt heulten auf.

Großalarm am Flughafen Paderborn/Lippstadt. Wenigstens eine Tasse starken Kaffee vor dem nächsten Einsatz wäre schön gewesen, denkt Pikrun, während sein Notarzteinsatzfahrzeug mit Alarm zum Airport rast. Als ersteintreffender Notarzt würde er als medizinischer Einsatzleiter die Gesamtverantwortung für das Schicksal aller Verletzter tragen, bis sich die Leitungsstrukturen etabliert haben. Was Pikrun nicht weiß, 4 weitere Notärzte aus Büren sind, per Funk alarmiert, schon auf dem Weg zum Airport und bald würde er 180 Helfer an seiner Seite haben.

Lesen Sie den nachfolgenden Bericht von Jörn Hannemann im Westfalen-Blatt:

Großaufgebot von Rettungskräften am Airport Paderborn/Lippstadt

Großaufgebot von Rettungskräften am Airport Paderborn/Lippstadt

Es sah dramatisch aus, zum Glück war es nur eine Übung: Ein Kleinflugzeug kracht am Flughafen Paderborn/Lippstadt mit einem Bus zusammen. Es gibt mehrere Verletzte und mittendrin eine Braut, die per Drehleiter von der Towerkanzel gerettet werden muss. In einer aufwändigen Großübung mit 160 Beteiligten wurde dieses Szenario am Samstag am Flughafen geprobt.

Während im Hintergrund eine große Maschine in Richtung Fuerteventura abhebt, quellen nebenan dichte Rauchschwaden aus dem Flughafenbus. Nicht weit entfernt schreit eine Frau auf dem alten, verlassenen Flughafen-Tower laut um Hilfe. Bereits nach wenigen Minuten heulen die ersten Sirenen an der Unfallstelle, blinkendes Blaulicht erleuchtet das Vorfeld. Schnell schießen aus den ersten Hochdruckrohren Wasserstrahlen auf das havarierte Kleinflugzeug und Feuerwehrleute retten unter Atemschutz die Verletzten aus dem Bus.

Notärztliche Erstbehandlung am Rollfeldrand

Notärztliche Erstbehandlung am Rollfeldrand

Das beschriebene Szenario entspricht einem so genannten Flugunfall. Verkehrsflughäfen sind verpflichtet, alle zwei Jahre eine solche Notfallübung zu organisieren. Innerhalb von drei Minuten müssen die ersten Einsatzkräfte laut Vorgabe am Unglücksort eintreffen. Unter den 16o Rettungskräften waren neben der Flughafenfeuerwehr auch Helfer der DLRG, der freiwilligen Feuerwehr Büren sowie der Rettungsdienst aus dem Kreis. Einige Statisten, die unter anderem Gäste einer Hochzeitsgesellschaft spielten, wurden von der DLRG Büren so geschminkt, dass sie wie schwer Verletzte aussahen. Durch das Notfalltraining soll die Kooperation interner und externer Einsatzkräfte geprobt werden. So wird in Zusammenarbeit mit dem Krisenstab des Flughafens sichergestellt, dass das Notfallmanagement funktioniert. Es geht um entscheidende Fragen: Funktioniert die Meldekette unter Druck? Werden alle Verletzten optimal behandelt?

Unser Ausgangsszenario hat deshalb noch weitere Nebenschauplätze mit Unglücksfällen, um zu sehen, ob die Prozesse greifen. Gleichzeitig fällt jemand zum Beispiel die Treppe herunter, ein anderer hat einen Herzinfarkt und ein Gepäckwagen ist in einen Unfall verwickelt«, sagt Flughafen-Geschäftsführer Dr. Marc Cezanne. Beobachter waren im Einsatz um dieses zu protokollieren. Der Flugbetrieb fand während der Übung ohne Beeinträchtigungen statt.

Die Abläufe werden in den kommenden Wochen ausgewertet. »Mein erster Eindruck ist, dass alles geklappt hat und wir gut vorbereitet sind«, betont Roland Kempkensteffen (47), Leiter der Flughafenfeuerwehr. Dabei darf auch ein wenig Humor nicht fehlen: Mit dem Hashtag #CobraiiKannEinpacken, eine Anspielung auf die RTL-Action-Serie, kommentierte die PR-Abteilung des Flughafens im Internet augenzwinkernd das Geschehen mit viel Rauch, Feuer und Sirenen.