OWL-Pilotprojekt: Notrufe bald unter einem Dach

OWL-Pilotprojekt: Notrufe bald unter einem Dach

112und116117untereinemdachEigentlich ganz einfach: Bei Beschwerden wie triefende Nase oder Bauchgrimmen wählt man die Nummer 116117, wenn Zuwarten und Hausmittelchen nicht helfen und man eigentlich am liebsten seinen Hausarzt konsultieren würde, wenn nicht gerade Nacht oder Wochenende wäre. Es ist die Telefonnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Unter dieser Nummer erfährt man, wer in den sprechstundenfreien Zeiten der diensthabende Vertreter des Hausarztes ist und wo die nächstgelegene Notfallpraxis zu finden ist. Wenn nötig, vermittelt die Nummer 116117 auch diskrete Hausbesuche durch einen Arzt des Fahrdienstes der KV, wenn dem Hilfesuchenden das Aufsuchen einer Notfallpraxis nicht zuzumuten ist.

Den Notruf 112 wählt man hingegen wenn Lebensgefahr z.B. bei schwerer Erkrankung oder Unfall im Spiel ist. Dann kommt der NOTARZT – und zwar sofort. Der „Blaulicht-Doktor” kommt allerdings nicht diskret, sondern – im Gegenteil – mit Martinshorn, Blaulicht und 4-köpfigem Rettungsteam.

Vielen Menschen ist die Nummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes nicht bekannt oder sie kennen seine Funktion nicht. Dass die 116117 nur in sprechstundenfreien Zeiten geschaltet und (an Werktagen) tagsüber keinen Ansprechpartner bietet und zudem von einem ortsfernen Callcenter (Duisburg) betrieben wird, verwirrt viele Menschen oder schürt Mißtrauen.

So laufen Hilfegesuche über den Notruf 112 auf der Rettungsleitstelle auf, die dort nichts zu suchen haben – Stichwort: triefende Nase – und binden auf diese Weise lebensrettende Ressourcen für wirkliche medizinische Notfälle. Umgekehrt muß das Callcenter der 116117 einem Anrufer noch einen weiteren Anruf an der Notrufnummer 112 zumuten, wenn sich herausstellt, dass im speziellen Fall hausärztliche Behandlung allein nicht ausreichend ist.

Einen Schritt in die richtige Richtung zur Auflösung des Problems wollen jetzt die Kreise Paderborn, Lippe und Höxter gemeinsam gehen. Indem sie ihre drei Rettungsleitstellen über eine komplexe Telefonanlage miteinander vernetzen. Damit bleibt die Norufrufnummer bei möglicher Überlastung einer der drei Leitstellen bei Extremereignissen immer noch erhalten, sodass ein eingehender Notruf auch in einer der beiden anderen Feuerschutz- und Rettungsleitstellen im Verbund angenommen werden kann. „Mit der vollständigen Vernetzung der Leitstellen werden wir unsere Kräfte und Ressourcen bündeln, damit rund 800.000 Menschen in den Kreisen Höxter, Lippe und Paderborn im Falle des Falles auf bestmögliche Versorgung vertrauen können“, ist Paderborns Landrat Manfred Müller überzeugt.

Die Kooperation der Kreise Lippe, Höxter und Paderborn geht aber noch weiter: Die Rufnummer 116117, über die Bürger den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen können, wurde bislang zentral nach Duisburg geleitet. Das soll sich jetzt ändern, zumindest in den kooperierenden drei Kreisen:

Rettungsleitstelle - von hier aus erfolgt die Koordination aller Notfalleinsätze

Rettungsleitstelle: Notarzt oder Ärztl. Bereitschaftsdienst? Die Entscheidung fällt zukünftig hier.

Konkret heißt das, dass über die 116117 eingehende Anrufe in eine der drei Leitstellen geleitet werden. Die Umstellung startet ab 1. Juli in der Feuerschutz- und Rettungsleitstelle des Kreises Lippe, sodass hier künftig der Notruf 112, der Krankentransport 19222 und der kassenärztliche Bereitschaftsdienst 116117 von einem Ort aus koordiniert werden.

„Wenn hilfesuchende Menschen die 116117 wählen, wollen sie mit jemandem sprechen, der die örtlichen Begebenheiten und das vorhandene Ärztenetz kennt. Deshalb werden wir unsere Leitstellen miteinander vernetzen“, so Lippes Landrat Lehmann. „Die kreisübergreifende Kooperation im Bevölkerungsschutz ist ein leuchtendes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit“, betont Höxters Landrat Friedhelm Spieker. „Mit der Vernetzung der Leitstellen der drei Kreise sind wir Vorreiter in Nordrhein-Westfalen.“

Hier gehts zum Flyer: Praxis zu! Was nun?