Telenotarzt – die Lösung für den ländlichen Raum?

Telenotarzt – die Lösung für den ländlichen Raum?

Rettungswagen mit p3-Telenotarzt-Ausstattung

Rettungswagen mit p3-Telenotarzt-Ausstattung

Greifswald – Steigende Einsatzzahlen und mangelnde Notärzte erhöhen den Druck auf das Rettungswesen. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie der Kreis Vorpommern-Greifswald. Dort ist seit heute der landesweit erste Telenotarzt im Einsatz.

Der Telenotarzt dirigiert von seinem Büro-Arbeitsplatz den Rettungsdienst an der entfernten Unfallstelle. Er kann mit den Rettungssanitätern kommunizieren, über eine Kamera Verletzungen in Augenschein nehmen und Vitaldaten wie Blutdruck und Herzschlag einsehen. Ist der Patient nicht lebensbedrohlich verletzt, kann so ein tatsächlicher Notarzt-Einsatz vor Ort vermieden werden. Genauso wichtig ist den Initiatoren, dass mit dem Telenotarzt die therapiefreien Intervalle bis zum Eintreffen des realen Notarztes überbrückt und damit die Qualität der Patientenversorgung gesteigert werden könnten.

Lange Wege

Hintergrund des Projekts sind unter anderem lange Anfahrtswege für die Ersthelfer. Vorpommern-Greifswald ist der drittgrößte Landkreis in Deutschland. Nicht immer können im Kreis die Hilfsfristen für den Rettungsdienst von zehn und für den Notarzt von 15 Minuten eingehalten werden, räumt der Beigeordnete des Kreises, Dirk Scheer, ein. Dennoch soll die notärztliche Versorgung auch in dem ländlich geprägten Kreis auf hohem Niveau gehalten werden.

Das Telenotarztsystem gibt es bereits in Aachen. Dort arbeitet das System seit drei Jahren im Regelbetrieb, wie Bernd Valentin, ärztlicher Geschäftsführer der P3 telehealthcare GmbH, die in Aachen, Euskirchen und seit März 2018 auch in Heinsberg den Telenotarztdienst betreibt, berichtet. Rund 10.000 Rettungseinsätze wurden seit 2014 mit dem Telenotarzt nach streng vorge­gebenen Leitlinien abgedeckt. Die Notarztquote bei den Rettungseinsätzen sei von 36 auf 22 Prozent gesenkt worden. „Wir denken, dass die Effekte in einem Landkreis noch deutlich größer sein könnten“, prognostiziert er.

Zum Infovideo über den Telenotarztdienst geht es hier.
Quellen: aerzteblatt.de